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Denkmal für 20.000 Zivilisten, die während der deutschen Besetzung von Dnipropetrowsk erschossen wurden

Am 25. August 1941 wurde Dnipropetrowsk von deutschen Truppen besetzt. In der Stadt befanden sich die nationalsozialistische Besatzungsverwaltung des gleichnamigen Generalbezirks des Reichskommissariats der Ukraine sowie Kreisgebiet Dnipropetrowsk-Stadt und Kreisgebiet Dnipropetrowsk-Land [4].

Einer der Orte der systematischen Massenvernichtung von Zivilisten ist der Panzergraben. Er befindet sich an der Kreuzung der modern Akademiker Yangel und Energetytschna Straßen.
Denkmal für 20.000 Zivilisten, die während der deutschen Besetzung von Dnipropetrowsk erschossen wurden. Foto: Maryna Tkatschenko


Nach den Berichten von Bewohnern, Augenzeugen der Vernichtung der Bevölkerung (Soroki A., Bugayeva A.), brachten die Insassen von Oktober 1941 bis zu den letzten Tagen ihres Aufenthalts in der Stadt fast täglich zum Panzergraben die Bürger und schossen sie dort ab. 

Die Erschießung fand wie folgt statt: Gruppen von nackten Frauen und Männern wurden aus dem Auto genommen und erschossen. Dann nahmen sie die nächste Gruppe von Menschen heraus, die gezwungen waren, die Leichen der vorherigen Gruppe mit dem Boden zuwerfen sollten. Dann wurden sie wieder zum Auto geführt, ausgezogen und auf die gleiche Weise vernichtet. Die Leichen derer, die in der letzteren Gruppe erschossen wurden, zuwerfen oft nicht mit dem Boden und verließen sie, bis die nächste Gruppe der Verurteilten gebracht wurde. Es gab Fälle, in denen die Leichen von Hunden weggezogen wurden. Der Plan der Erschießungen wurde im Staatsarchiv Dnipropetrowsker Gebiet aufbewahrt [1].
Der Plan der Erschießungen


Der Plan der Erschießungen
Anfang Juli 1942 verhafteten die Nazis außerdem 150 Angestellte von Lokomotivwerkstätten, weil sie sich geweigert hatten, nach Deutschland zur Arbeit zu fahren. Sieben Tage lang wurden die Festgenommenen ausgehungert und dann in der Nähe eines Panzergrabens erschossen. Unter ihnen: der Führer der Organisation, Kommunist I. P. Ivanov, der Komsomol G. Andrusenko (insgesamt 21 Personen) [5]. 

Durch arithmetische Berechnungen hat "die Regionalkommission von Dnipropetrowsk für die Bilanzierung der Schäden von den deutschen faschistischen Invasoren und ihren Begleitern" angenommen, dass an dieser Stelle von 18 bis 20 000 Menschen ausgerottet wurden [6].

Im September 2011 beim Wiederaufbau des Stadions "Inter", das vom Fußballverein "Dnipro" gekauft wurde, wurden auf dem Feld menschliche Überreste gefunden. Die Organisation "Gwardia-Dnepr" hat Ausgrabungen durchgeführt (die Fotos der Ausgrabung können unter folgendem Link eingesehen werden: http://www.djc.com.ua/news/view/new/?id=5263).

"Gwardia-Dnepr" ist eine öffentliche Organisation, die auch Sucharbeiten durchführt. Der Leiter der Organisation ist Pavel Kovalöv.
Die Ausgrabungen wurden unter beschleunigten Bedingungen (eineinhalb Monate) durchgeführt. Die Ausgrabung wurde vom Fußballverein "Dnipro" finanziert und von der örtlichen Verwaltung der Denkmalschutzabteilung neu begraben.

Die Hinrichtungen an diesem Ort fanden während der gesamten Besetzung statt. Ausführende Organe der Erschießung waren Feldgendarmerie, Gestapo, Polizei SD und örtliche Polizisten.
1968 wurde an der Kreuzung von Akademiker Yangel Straße und Energetytschna Straße ein Denkmal für 20.000 hingerichtete Zivilisten errichtet [2]. 1970 wurde auf Beschluss des Exekutivkomitees des regionalen Arbeiterrates von Dnipropetrowsk eine Gedenkstätte für die Hinrichtung von Zivilisten in Dnipropetrowsk als Denkmal für die Geschichte von lokaler Bedeutung in das Staatsregister eingetragen.

1975 umfasste das Denkmal einen Obelisken und eine Stele.
Quelle: Dnipropetrowsker Regionales Zentrum für den Schutz des historischen und kulturellen Eigentums. Der Pass des Denkmals an den Ort einer Erschießung von Zivilisten, Index: 2.4.1488-2.4.21

Auf dem Obelisken aus schwarzem Labradorit ist der Text: "Hier in den Jahren 1941-1943 faschistische deutsche Invasoren erschossen 20.000 Sowjetische Leute. Sei vorsichtig!"
Quelle: Dnipropetrowsker Regionales Zentrum für den Schutz des historischen und kulturellen Eigentums. Der Pass des Denkmals an den Ort einer Erschießung von Zivilisten, Index: 2.4.1488-2.4.21

Die ziegelrote Stele befindet sich in einer Entfernung von 3,48 m vom Obelisken. Da steht: "Niemand ist vergessen, nichts ist vergessen".
Quelle: Dnipropetrowsker Regionales Zentrum für den Schutz des historischen und kulturellen Eigentums. Der Pass des Denkmals an den Ort einer Erschießung von Zivilisten, Index: 2.4.1488-2.4.21

Abmessungen: Obelisk - 3,3 x 0,85 x 0,85 m; Stele - 2,1 x 5,74 x 0,2 m.

1983 wurde das Denkmal ersetzt. Die Autoren des neuen Denkmals sind der Bildhauer ist Tschernenko V., der Architekt ist Tkatschenko Yu. Das neue Denkmal besteht aus grauer Bronze. Es stellt einen nackten und dünnen Jugendlichen dar, der die Toten symbolisiert, die leben sollten. Auf der erhobenen rechten Hand hält der junge Mann eine Taube - ein Symbol des Lebens. Diese Skulptur steht in der Mitte von 6 Stahlbetonpyramiden - angeblich Grabsteinen [3].
Quelle: Dnipropetrowsker Regionales Zentrum für den Schutz des historischen und kulturellen Eigentums. Der Pass des Denkmals an den Ort einer Erschießung von Zivilisten, Index: 2.4.1488-2.4.21

Das Territorium rund um das Denkmal ist mit rosa Granitplatten gesäumt.
Foto: Maryna Tkatschenko

Heute ist von Unbekannten die linke Handfläche gebrochen.
Foto: Maryna Tkatschenko

Auf einer der Pyramiden steht eine Inschrift: "In den Jahren 1941-1943 haben die Faschisten hier über 20.000 Sowjetbürger erschossen."
Foto: Maryna Tkatschenko
Abmessungen: Skulptur: 2,7 x 0,4 x 1,0 m; Pyramiden in einer Höhe von 2,5 m bis 0,9 m.

Heute befindet sich neben der Gedenkstätte ein Parkplatz, hinter dem sich noch der Graben befindet.
Foto: Maryna Tkatschenko

Am Ende des Burggrabens befindet sich eine Wand, an der zuvor geschrieben stand: "Niemand ist vergessen, nichts ist vergessen." Jetzt ist sie jedoch mit Beton gefüllt, die Form wird geändert.
Foto: Maryna Tkatschenko

Vor ihr auf dem Boden steht ein Schild mit der Aufschrift: "An dieser Stelle endete der Graben, in dem 1941–1943 die deutschen faschistischen Besatzer 20.000 sowjetische Kriegsgefangene und lebende Zivilisten beerdigten".
Foto: Maryna Tkatschenko
Auf der anderen Seite sind Garagen.
Foto: Maryna Tkatschenko

Hinter sind Häuser. Voran ist das Gebäude der früheren Betriebsvereinigung "Yuzhavtostroy".
Foto: Maryna Tkatschenko
Am 22. Juni 2012 wurden die 2011 gefundenen Überreste (441 Personen) mit Auszeichnung bestattet. Die Toten fanden ewige Ruhe in einem Massengrab (hinter der Skulptur, 14 m nordwestlich), das zu Ehren ihrer Erinnerung an der Ecke der Straßen Energetytschna und Akademiker Yangel errichtet wurde. Das Massengrab an der Oberfläche ist mit einem Erdhügel geschmückt. Auf dem Schild befindet sich die Aufschrift: "In diesem Grab sind die Überreste von 441 Menschen begraben: Zivilisten und sowjetische Kriegsgefangene, die während der Besetzung von Dnipropetrowsk in den Jahren 1941 bis 1943 erschossen wurden. Versehentlich ist im September 2011 entdeckt, am 22. Juni 2012 begraben".
Foto: Maryna Tkatschenko
Abmessungen: 19,50 x 4,20 m [6].  Eine Bestattung ist heute schwer zu finden, da es keine klaren Grenzen zwischen den Gräbern gibt.
Foto: Maryna Tkatschenko
Das Denkmal befindet sich an der Kreuzung der Straßen Akademiker Yangel und Energetytschna. Koordinaten: 48°25'17"N, 35°0'7"E. Einwohner der Stadt Dnipro können jederzeit die Erinnerung an die Toten ehren und Blumen an den Ort einer Massenerschießung von Zivilisten in der Besatzungszeit setzen.  
Das Denkmal ist in der regionalen "Organisation der Ukrainischen Gesellschaft zum Schutz von Denkmälern der Geschichte und Kultur" (auf Ukrainisch:  “Організація українського товариства охорони пам’яток історії і культури”) in Dnipropetrowsk eingetragen. Es ist diese Organisation, die seine Gründung finanzierte und sich bisher um ihn kümmert.
Quellen, Literaturtipps, Webseiten (nur auf Ukrainisch oder Russisch):

1.    Державний архів Дніпропетровської області. – Ф. 2427: Дніпропетровська обласна комісія обліку збитків, заподіяних німецько-фашистськими загарбниками та їх співучасниками, м. Дніпропетровськ, оп. 1, спр. 237, арк. 10.
2.    Державний архів Дніпропетровської області. – Ф. 2427: Рада Дніпропетровської організації Українського товариства охорони пам’яток історії і культури, м. Дніпропетровськ, оп. 1, спр. 84, арк. 6
3.    Державний архів Дніпропетровської області. – Ф. 2427: Рада Дніпропетровської організації Українського товариства охорони пам’яток історії і культури, м. Дніпропетровськ, оп. 1, спр. 278, арк. 10-11.
4.    Дніпро (місто) [Електронний ресурс] / Вікіпедія — вільна енциклопедія – Режим доступу: https://uk.wikipedia.org/wiki/Дніпро_(місто)#Дніпропетровськ
5.    Дніпропетровський обласний центр з охорони історико-культурних цінностей. Паспорт  пам’ятника місце розстрілу радянських громадян, індекс: 2.4.1488-2.4.21, с. 2. 
6.    Кости 20 тысяч человек нашли во время реконструкции стадиона в Днепре [Електронний ресурс] / ТСН Украина – Режим доступу:  https://ru.tsn.ua/ukrayina/kosti-20-tysyach-chelovek-nashli-vo-vremya-rekonstrukcii-stadiona-v-dnepre.html.
7.    Место расстрела немецкими оккупантами мирных граждан в Днепропетровске по улице Янгеля [Електронний ресурс] / Новости Днепропетровщины – Режим доступу: http://www.tourdnepr.com/content/view/3089/3016/.
8.    На Днепропетровском стадионе «Интер» нашли фрагменты 400 захороненных тел Днепре [Електронний ресурс] / 34 телеканал – Режим доступу: https://34.ua/na-dnepropetrovskom-stadione-inter-nashli-fragmenty-400-zahoronennyh-tel_n468 .
9.    Страшная находка в Днепропетровске Днепре [Електронний ресурс] / Еврейская община Днепра – Режим доступу: http://www.djc.com.ua/news/view/new/?id=5263.
10. Тесленко Т. А.  Місце злочину: до історії нацистського терору в Дніпропетровську // Придніпров’я: історико-краєзнавчі дослідження. – 2013. – № 11. – С. 198–206. 
11. Акт городской комиссии по расследованию злодеяний немецко-фашистских захватчиков в гор. Днепропетровске, 24 ноября 1943 г. // Днепропетровская область в годы Великой Отечественной войны Советского Союза 1941 – 1945 гг. – Д., 1962.    
12. Ватченко А. Ф., Шевченко Г. И. Днепропетровск. – Днепропетровск: Промінь, 1974. – С. 111 – 112
13. Днепропетровская область в годы Великой Отечественной войны Советского Союза 1941 – 1943 гг. Сборник документов. – Днепропетровск, 1962. – С. 146, 183 – 187
14. Історія міст і сіл Української РСР. Дніпропетровська область. – К., УРБ., 1969. – С. 96 – 97
15. «Організація українського товариства охорони пам’яток історії і культури» (веб-сайт: https://youcontrol.com.ua/catalog/company_details/03922154/). 

Der Autor: Maryna Tkatschenko
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