Orte und Gruppen vergessener NS-Opfer
Friedhof
Denkmal, Gedenktafel
Gedenkstätte
Ausstellung
Akteure
Unerschlossener Ort
Sowjetische Kriegsgefangene
Patienten psychiatrischer Anstalten
Roma
Jüdische Bevölkerung*
Zivilbevölkerung*
Andere

* in den besetzten Gebieten

Untersuchungsgefängnis №1 des föderalen Dienstes für Strafvollzug des Gebiets Rostow

Im Februar 1943 wurden im Hof des Rostower Gefängnis von den Nationalsozialisten Einwohner des Okkupationsgebiets erschossen.

Rostow am Don wurde zweimal von NS-Kräften besetzt: im Herbst 1941 und im Sommer 1942. Am 14. Februar 1943 wurde die Stadt von sowjetischen Mächten befreit. Während des Rückzuges der NS-Streitkräfte wurden Anwohner zu Opfern von Massenhinrichtungen. Insgesamt fand man im Gefängnishof 1154 Leichen. Im Hof des Gefängnisses, in einem 300 m3 großen Graben wurden 370 Leichen, darunter 32 von Minderjährigen und 85 Frauenleichen entdeckt. 50 Meter von dem Graben entfernt fand man 308 Personen, darunter 23 Minderjährige und 37 Frauen. Infolge einer Explosion und eines darauf folgenden Brandes kamen 346 Personen ums Leben. Außerdem wurden 135 Personen hingerichtet. Die Leichen wiesen Spuren von Folter, Prügel und Misshandlung auf, vielen wurden die Nasen abgeschnitten, Augen ausgestochen, Füße und Hände abgehackt u.a.. In den Zellen wurden viele Leichenreste gefunden, die nicht identifiziert werden konnten. Unter den Hingerichteten wurden auch die Leichen von folgenden Persönlichkeiten identifiziert: Schdanow Georgij – Ingeneur der Fabrik «Красный молот» («Der rote Hammer»), Michailowskaja Anna, Angestellte des 2. Konfektionsbetriebs, Podlushnaja Natalja – Angestellte der Molkerei, Semjonow Peter, Katanagin Iwan (im Alter von 20 Jahren), Sinjukow Aleksej (im Alter von 18 Jahren), Negljadow Alexander (im Alter von 18 Jahren), Dudnikow Iwan (im Alter von 20 Jahren) und viele andere. Die Hinrichtung wurde von Mitgliedern des SS-Sonderkommandos 10-a durchgeführt.

Das Gefängnisgelände hat die Größe eines Fußballfelds. Der Gebäudekomplex liegt in der Stadtmitte Rostows. Das Gebäude ist in Form eines flachen und gestreckten umgedrehten Buchstabens „Е“ gebaut. Der vordere Teil besteht aus einem langen breiten Gebäude mit Zellen an beiden Seiten des Korridors. An den Seiten sind schmale Flügel, die rechtwinklig an das Gebäude angrenzen. Der Gebäudekomplex ist mit hohen Mauern mit Stacheldraht umzäunt. Heute wird der Komplex als Untersuchungsgefängnis №1 des föderalen Dienstes für Strafvollzug des Gebiets Rostow verwendet. Die Gefängnisgebäude wurden unter Katharina II. gebaut und dienen noch heute als Haftanstalt.

Leider wurde an den Gefängnismauern keine Gedenktafel angebracht, die die Anwohner an die tragischen Ereignisse erinnern könnte. 

Heutzutage werden an dem Ort der Massenhinrichtung von Zivileinwohnern keine Gedenk- und Trauerveranstaltungen durchgeführt. Eine kleine Umfrage zeigte, dass nur 13 von 73 Teilnehmern über die Hinrichtung im Gefängnis Bescheid wissen. Das zeugt davon, dass Informationen über das Geschehene wenig bekannt sind.

Der Ort der Hinrichtung ist unter folgener Adresse zu finden: Rostow am Don, ул. Максима Горького, 219 (Maxim-Gorki-Straße 219). Da das Gebäude dem föderalen Dienst für Strafvollzug gehört, ist es für die Öffentlichkeit unzugänglich. 

Der Denkort wird von keiner zivilgesellschaftlichen Initiative betreut.

1. Zaveshchano pomnit'… Donskie arhivy — 70-letiyu Velikoj Pobedy. Sbornik dokumentov i materialov. – Rostov-na-Donu: Izd-vo «Al'tair», 2015. pp. 89-92.
Erinnerungsorte