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Gedenkstein für das Zwangsarbeitslager „Am Dammacker“

Zit. nach: Engelbertz, Susanne: Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933 - 1945 Bd. 6: Bremen, 1992. S.68
 
Anmerkungen in eckigen Klammern: Jan Dohrmann
 
"Am Dammacker befand sich das gleichnamige Lager Dammacker. Das Lager reichte an einer Seite an den Deich heran und mit der anderen Grenze zog es sich bis zum Buntentorsteinweg, weswegen es auch das Lager Buntentor genannt wurde. Zusätzlich bekam es den Namen „Russenlager“, weil von September 1942 an überwiegend sowjetische Kriegsgefangene, Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter hier lebten.

Geplant war es als Unterkunft für 1.500 Menschen. Akten des Senators für das Bauwesen wiesen im September 1941 sechs Wohnbaracken und 11 weitere Baracken für die Verwaltung, die Wachmannschaften und als Küchen- und Waschbaracke aus. Ein Jahr lang, von September 1941 bis September 1942, diente es dem Senator für das Bauwesen zur Unterbringung der im Rahmen des Luftschutzbaus eingesetzten Kriegsgefangenen und ausländischen zivilen Arbeiter. Danach quartierten neben dem Senator auch andere Firmen Zwangsarbeiter im „Russenlager“ ein. Im Juli 1942 lebten hier für zwei Monate 300 „Ostarbeiter“, die bei der Automobilfirma Borgward beschäftigt waren. Die Verwaltung des Lagers unterstand der DAF [Deutsche Arbeitsfront]. Diese gab im Januar 1943 eine Belegzahl von 846 Personen an (STAB 4,26/1.1375).

Die vom Bausenator erstellten Evakuierungslisten wiesen zum Ende des Krieges 10 Wohnbaracken auf dem Gelände aus, mit einer Belegung von 711 „Ostarbeitern“ und 180 „Ostarbeiterinnen“. Als Arbeitgeber waren der Senator für das Bauwesen mit über 600 und die Firma Krupp mit 50 Personen angegeben. Eine weitere Akte des Bausenators berichtet von 147 Jungen und jungen Männern im Alter von 12 bis 21 Jahren, die in den letzten Monaten des Naziregimes bei verschiedenen Firmen arbeiten mussten (STAB 4,26/1-1351)."
Auf dem Gelände des früheren Zwangsarbeitslagers ist im März 2015 von der Initiative „AnwohnerInnen gegen das Vergessen“ (mehr zu der Gruppe unter Akteure) ein Gedenkstein aufgestellt worden. Der ungefähr 50 Zentimeter hohe Findling trägt die Inschrift „1942 - 1945 Zwangsarbeitslager Am Dammacker“. Dort, wo sich früher das Lager befand, ist um die Jahrtausendwende ein Neubaugebiet entstanden und so steht der Gedenkstein an der Straße vor einer Reihenhaussiedlung.
Der Gedenkstein, 23.11.2018. Foto: Jan Dohrmann
An einem Baum neben dem Gedenkstein ist eine erklärende Tafel angebracht. Sie bietet grundlegende Informationen über die Geschichte des Lagers und es ist eine Luftaufnahme aus dem Jahr 1945 abgebildet. Ein QR-Code und ein Link verweisen auf einen Artikel mit weiterführenden Informationen auf der Website „Spurensuche Bremen“.
Die Informationstafel, 23.11.2018. Foto: Jan Dohrmann
Im Gespräch berichtet ein Mitglied von „AnwohnerInnen gegen das Vergessen“ davon, dass der Gedenkstein in der Nachbarschaft, aber auch von Passanten, stark wahrgenommen werde. Fälle von Vandalismus seien glücklicherweise nicht bekannt. 
Der Gedenkstein ist unter der Adresse Am Dammacker 27 in 28201 Bremen zu finden. Er befindet sich auf einem Privatgrundstück vor einer Häuserreihe. Die Inschrift auf dem Stein und die Informationstafel sind jedoch von dem angrenzenden Bürgersteig aus zu lesen.
Verantwortlich für die Errichtung des Gedenksteins sind die Mitglieder der Initiative „AnwohnerInnen gegen das Vergessen“. Sie alle wohnen im Bremer Ortsteil Huckelriede. Dort ist um die Jahrtausendwende aus einer Kleingartensiedlung ein Neubaugebiet entstanden. Eine Historikerin gab den Zugezogenen den Hinweis darauf, dass sich an dem Ort während des Zweiten Weltkriegs ein Zwangsarbeitslager befand. Daraufhin entschieden die Anwohner, sich mit dem Thema näher beschäftigen zu wollen und gründeten die Initiative. Eine Kerngruppe aus fünf Personen, davon vier Schüler, hat es sich daraufhin zur Aufgabe gemacht, die Geschichte des Zwangsarbeitslagers intensiv aufzuarbeiten. Dazu wurde Aktenbestände im Staatsarchiv recherchiert sowie Luftaufnahmen von britischen und US-amerikanischen Aufklärern aus den 1940er Jahren analysiert. Das Ergebnis hat die Initiative in einer Broschüre veröffentlicht (siehe Quellen, Literaturtipps, Websites).

Im Jahr 2015 ist ein Findling aus dem Garten eines Anwohners von einer benachbarten Steinmetzin beschriftet worden. Die Kosten übernahmen die Mitglieder der Initiative und Personen aus dem Umfeld. Im März 2015 wurde der Stein aufgestellt.
Der Findling noch ohne Gravur, 10.10.2014. Foto: AnwohnerInnen gegen das Vergessen
Die Informationen über die Initiative stammen aus einem Gespräch mit einem Mitglied von „AnwohnerInnen gegen das Vergessen“.
Erinnerungsorte